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Jyväskyläer Universitätsmuseum


Vom ethnologischen Museum zum Lehrmuseum der Museologie


Walknochen, Robbenbärte und "antike Relikte"
Auf dem Seminaarinmäki, dem "Seminarhügel", gab es bereits vor über 100 Jahren museale Bestrebungen. Genau gesagt kann man die Anfänge der Museumskollektion bis in die 1860er zurückdatieren. 1863 wurde das Jyväskyläer Lehrerseminar gegründet, es war das erste Seminar, an dem Finnisch als Unterrichtssprache für Grundschullehrer gelehrt wurde. Von Beginn sammelte man hier Materialien für die Lehre, die einzelnen Stücke wurden in der Inventarliste des Seminars aufgeführt. Unter den ältesten dokumentierten Gegenständen finden sich beispielsweise afrikanische Speerspitzen, altertümliche römische Relikte und Schnurrbärte von Ohrenrobben. Die Sammlung beinhaltete zudem Muscheln, Gesteine und ausgestopfte Vögel, die der Gründer des Seminars, Uno Cygnaeus, von seiner Reise aus Alaska mitgebracht hatte. Amazonia farinosa

Papagei (Amazonia farinosa)
Yrjö Blomstedt

Yrjö Blomstedt (1871-1912)
Aufbau der finnischen Kultur
Der Architekt Yrjö Blomstedt, der am Jyväskyläer Lehrerseminar für die handwerkliche und gestalterische Ausbildung zuständig war, trieb die Idee eines eigenen Schulmuseums voran. Seiner Ansicht nach sollten Werkarbeiten "im nationalen Geiste" ausgeführt werden, traditionelles finnisches Handwerk sollte dafür als Vorbild dienen. Aus diesem Grund sah er es als notwendig an, ein ethnografisches Museum am Seminar einzurichten. Blomstedt hielt seine Schüler dazu an, Materialen zu sammeln, die das Leben der finnischen Menschen illustrieren würden - aus vergangenen Zeiten wie aus der Gegenwart. Die charakteristischen Eigenschaften der finnischen Tradition sollten so als Basis der kommenden Kultur erhalten bleiben. Krüge, Kragen, gewebte Stücke und hölzernes Geschirr fanden schnell ihren Weg in die ethnografische Sammlung der Studenten, die schlussendlich über 2500 Stücke umfasste.

Das erste Museum in Jyväskylä wird gegründet
Die Ansammlung von Ausstellungsmaterialien führte am 07. September 1900 zur Gründung des "Akademisch ethnologischen Museums des Lehrerseminars von Jyväskylä". Das Museum wurde von den Studenten geleitet. Um die vorhandene Kollektion zu erweitern, wurden Stipendien und Preise für die besten neuen Museumsstücke ausgeschrieben. So konnten zum Ende des Jahres 1910 1288 Ausstellungsstücke im Museum präsentiert werden. Bereits 1905 konnte das Museum seine Ausstellungsräume erweitern, als das neu errichtete Gebäude für Handwerk und Zeichnen, entworfen von Yrjö Blomstedt, fertiggestellt wurde. Das Gebäude, welches heute unter dem Namen Villa Rana bekannt ist, spiegelte Blomstedts Auffassung von Kunstunterricht wieder, vor allem die Verbindung von Zeichnen, Handwerk und Museumstätigkeit als einheitliches Ganzes. Die Tischlerei des Seminars war in der oberen Etage untergebracht, die Zeichenräume und das Museum im Stockwerk darunter. Auf Anfrage von Blomstedt traten hier auch die traditionellen Runensänger auf, als diese das Seminar besuchten. Yrjö Blomstedt mit Runensängern

Yrjö Blomstedt mit Runensängern

Uno Cygnaeus Studierzimmer

Uno Cygnaeus Studierzimmer
Engagierte Museumsleiter
Toivo Ojala, Lehrer für Zeichnen und Handwerk, wurde Mitte der 1920er Jahre zum Vorsitzenden des Museumsausschusses gewählt. Während seiner Amtszeit wurde die Kollektion thematisch gegliedert, dem Beispiel des Nationalmuseums folgend. Die Möbel aus Uno Cygnaeus Arbeitsraum, die dem Museum 1932 gestiftet wurden, wurden der Museumskollektion hinzugefügt und ausgestellt. Das renovierte und umstrukturierte Museum wurde eine Sensation, die Presse kürte es zum besten Schulmuseum in den nordischen Ländern. Als das Lehrerseminar 1936 geschlossen wurde, wurde die Sammlung der nachfolgenden Pädagogischen Hochschule übertragen. Sie wurde weiterhin für die Lehre und von regionalen Vereinen genutzt. Nach der Amtszeit Ojalas wurde das Museum von dem Ethnologen Ahti Rytkönen geleitet, der als Dozent an der Pädagogischen Hochschule tätig war.


Museum der Pädagogischen Hochschule
Mit der Erweiterung der Hochschule in den späten 1950ern benötigte auch das Museum eine neue Direktion. Professor Mauno Jokipii entwarf einen Generalplan für die Entwicklung des Museums. Auf seine Initiative hin wurden die ethnologische Sammlung und die Münzsammlung dem Museum von Zentralfinnland übergeben. Das Museum der Pädagogischen Hochschule konzentrierte sich von nun an auf die geschichtliche Erfassung der eigenen pädagogischen Einrichtung. Eine permantente Ausstellung wurde im Erdgeschoss des alten Aulagebäudes (dem heutigen Seminarium)eröffnet. Seit Mitte der 1960er Jahre erfüllte das Museum die Richtlinien eines zeitgenössischen Museums. Es gab eine Dauerausstellung, Lagerräume, Sammlungen, die systematisch organisiert und katalogisiert waren und ein Fotoarchiv. Schüler besuchen das Museum

Schüler besuchen das Museum


Lehrmuseum

Lehrmuseum
Lehrmuseum der Museologie
Als die Pädagogische Hochschule 1966 zur Universität ernannt wurde, erlangte auch das Museum den Status eines Universitätsmuseums. 1980 wurde es in zwei Abteilungen aufgeteilt: in die kulturhistorische Sektion und die naturwissenschaftliche Sektion. Über die Jahre hatte sich das Museum so von einer von Studenten betriebenen ethnologischen Sammlung zu einem Museum entwickelt, welches die Geschichte, Arbeitsweise und dieallgemeine Kulturszene der akademischen Gemeinschaft wiederspiegelte. Das Museum, welches Blomstedt für Weiterbildungszwecke eingerichtet hatte, nimmt auch heute noch eine wichtige Rolle in der Ausbildung ein. Es dient als Ausbildungsstätte für die Museumswissenschaften, als Lehrmuseum, an dem Studenten praktische Erfahrung in der Museumsarbeit sammeln können.


Jyväskyläer Universitätsmuseum